alles>>könner

Halbzeit für den Schulversuch! Höchste Zeit für einen kühlen Blick auf die „alles>>könner“

Montags ist „alles>>könner“-Tag und das bereits seit fast drei Jahren. Dann sind 14 Lehrkräfte am GO ab mittags nicht mehr im Einsatz in den Klassenzimmern, sondern tüfteln an der Unterrichtsentwicklung in den Naturwissenschaften (am GO mit Schwerpunkt Biologie), in den Künsten (am GO in den Bildenden Künsten), in den Gesellschaftswissenschaften (am GO in PGW[1]), in Mathematik, Deutsch und Englisch. Während die meisten fachlich-orientiert arbeiten, sind drei Lehrkräfte in  Auswertung oder Durchführung in Begleitstudien eingesetzt.

In den ersten zwei Jahren glich die Arbeit der Fachsets weitgehend der Aktivität von Geheimbünden, da in den außerschulichen Arbeitsgruppen mit wissenschaftlicher Unterstützung neue Unterrichtskonzepte entwickelt wurden, von denen auch die  Fachkollegen in der eigenen Schule nur selten Genaueres erfuhren. – Fachsets heißen die Lehrerteams, die nach Fächern sortiert, aber schulformübergreifend daran arbeiten, wie z.B. Mathematik, Deutsch oder Biologie unterrichtet werden müssen, damit Lerner mit unterschiedlichen Startbedingungen auf ihrem jeweiligen Lern- und Entwicklungsstand besser gefördert werden können. Die schulformübergreifende Zusammenarbeit hat den Gymnasialkollegen das eine oder andere Auge öffnen können, wenn es um Aspekte wie Lernschwierigkeiten, Aufmerksamkeitsstörungen oder Motivation ging, denn wir haben durch Hospitationen andere Schülergruppierungen bei der Lernarbeit beobachten können.

Diese Zusammenarbeit und der kollegiale Austausch sind es, die die Arbeit im Schulversuch so gewinnbringend machen. Klar, wir müssen in den „Verrechnungsstufen“ laut Bildungsplan für das Gymnasium höhere Anforderungen erfüllen, aber der Blick für Lernschwellen und dafür, welche zusätzlichen Hilfsangebote für den Lerner notwendig sind, um seine nächsten Schritte eigenständig machen zu können, konnten wir im Austausch besser erarbeiten.

Im September 2011 haben einige GO-Eltern die Möglichkeit genutzt, sich den aktuellen Arbeitsstand beim „alles>>könner“- LIVE-Tag in Hospitationsstunden anzusehen und mit den beteiligten Kollegen darüber zu sprechen. Der jetzige Jahrgang 8 ist unser Pilotjahrgang, der viele der experimentierfreudigen Lehrkräfte im laufenden Unterricht erlebt. Nicht immer sind die Reaktionen der Lerner so, wie wir Lehrkräfte uns das vorstellen oder wünschen. Manches Mal gibt es Überraschungen – auf beiden Seiten. Auch Eltern sind nicht immer begeistert über die Anforderungen an die Eigenverantwortlichkeit, mit der die Schülerinnen und Schüler ihre Lernprozesse steuern sollen und fordern mehr Einflussnahme und engere Führung durch die unterrichtende Lehrkraft. Das Übernehmen der Verantwortung für das eigene Lernen fällt erfahrungsgemäß besonders in der Mittelstufe schwer, ist aber eine entscheidende Voraussetzung für den Übergang in die gymnasiale Studienstufe nach Jahrgang 10. Die kontinuierlich in die Unterrichtsvorhaben eingestreuten Reflexionsphasen für die Schülerinnen und Schüler sollen dazu beitragen, dass die Lerner wissen, wo sie stehen und warum sie dort stehen.

Hier wird viel ausprobiert.  Erfahrungen, die dabei gemacht werden, fließen auch in die in jeder Runde weiter entwickelten Selbsteinschätzungsbögen ein, die im Rahmen der Vorbereitung auf die Lernentwicklungsgespräche von Schülern und Fachlehrkräften ausgefüllt werden.

Bei der Weiterentwicklung sind wir auf das Feedback von Eltern und Schülern angewiesen. Im November waren war der Feedbackrücklauf aus den Jahrgängen 6 und 8 nach der ersten Runde der Lernentwicklungsgespräche sehr spärlich, so dass die Ergebnisse  – obwohl sehr positiv – statistisch leider nicht aussagekräftig sind.  Aber vielleicht sind Eltern und Schüler in Jahrgang 5 und 7 ja engagierter dabei. Denn dieses Rückmeldesystem wird von nun an wichtiger, da es ja kein Sitzenbleiben mehr gibt und die Lernentwicklungsgespräche sowie die dort vereinbarten Hilfs- und Stützangebote sicherstellen sollen, dass ein Übergang in die gymnasiale Studienstufe gelingt.

Ab Jahrgang 8 stellen wir nun in jedem Zeugnis eine Prognose über die weitere Schullaufbahn. Die dafür notwendige Diagnosekompetenz ist ein weiterer wichtiger Baustein unserer Schulversuchsarbeit.  Wie stellen wir fest, was ein Schüler kann und was er nicht kann? Ein Test ist da nur zum Teil auskunftsträchtig, denn für die Schullaufbahnprognose müssen wir einschätzen können, welche überfachlichen Kompetenzen der Schüler bereits ausgebildet hat. Wie motiviert lernt er/sie? Wie eigenständig findet dieses Lernen statt? Ist der Lerner teamfähig und bereit zu kooperieren?  Kann er sich selbst Ziele setzen und diese auch über einen längeren Zeitraum verfolgen? Die neuen Zeugnisformate werden die Entwicklung der überfachlichen Kompetenzen mindestens einmal am Schuljahresende zusammenfassen.

Damit ist ein großes Ziel des Schulversuches bereits in die neue Ausbildungs- und Prüfungsordnung eingegangen[2]. Noten sind nicht mehr alles, auch wenn sie nun mit Plus und Minus in die Notenübersicht bzw. ins Zeugnis eingehen.

Wenn der Schulversuch 2013 endet, werden wir am Gymnasium Ohmoor unsere Entwicklungsarbeit am kompetenzorientierten Rückmeldesystem abgeschlossen haben und unsere Lernentwicklungsgespräche kompetent mit Schülern und Eltern führen können. Außerdem wird es uns gelungen sein, unsere Coachingangebote – ehemals Förderunterricht – so zu gestalten, dass sie nicht als Bestrafung verstanden und erlebt werden, sondern als das, was sie sind: unser Angebot für Schüler, bei augenblicklichen Lücken schnell wieder den Anschluss zu finden.

Die Arbeit im Schulversuch hat unsere kontinuierliche Schul- und Unterrichtsentwicklungsarbeit sehr gefördert und in vielen Aspekten belebt. Wir sind ein großes Team, das gern zusammenarbeitet und sich freut, wenn unsere Schülerinnen und Schüler an ihren Aufgaben wachsen.

 


[1] Für die Leserinnen und Leser, die noch nicht in Jahrgang 8 sind: das ist das Fach Politik-Gesellschaft-Wirtschaft.

[2] Die neue Ausbildungs-und Prüfungsordnung gilt in 2011/12 noch nicht für die Jahrgänge 6, 9 und 10.

Autor:

S. Gatermann

(Didaktische Leitung)

Letzte Aktualisierung:

13. Mai 2012