10 Tage im Baskenland

Schüleraustausch nach Spanien

27 Juni 2016

Die Anreise

Eigentlich ist man schlecht gelaunt, wenn man an einem Sonntag um 6:30 Uhr aufstehen muss. 30 Leute (Schüler und Lehrer) vom Gymnasium Ohmoor jedoch nicht. Eventuell waren die Eltern nicht so gut gelaunt, aber das nahm ihnen keiner Böse, denn am 5.6.2016 war der große Tag für die Schüler: Der Besuch in Vitoria-Gasteiz stand an, und somit das Wiedersehen der spanischen Freunde im Rahmen des Schüleraustausches. Mit Zwischenlandung in Frankfurt, ging es dann nach Bilbao, wo wir schon von den Spaniern empfangen wurden. Wir fuhren dann gemeinsam mit dem Reisebus nach Vitoria, um dort von unseren Gastfamilien abgeholt zu werden. Einige fuhren dann nach Hause, um dort zu Essen, andere fuhren noch in ein Restaurant. Eines ist aber jedem aufgefallen: Die Spanier essen viel, sehr viel. Anscheinend haben sie auch noch Spaß, wenn andere mitessen… Deshalb wurde vielen direkt am ersten Tag eine wichtige Frage beantwortet: „Werde ich hier verhungern?“-Nein! Aus dieser Sorge resultierte dann eine andere: „Werde ich hier zunehmen?“ Nach dem Essen trafen wir uns alle gemeinsam im Park, um dort abzuhängen und danach bei McDonald´s zu essen. Noch mehr Essen… Die nächste Woche war mit Aktivitäten durchgeplant, so dass wir das gesamte Baskenland entdecken konnten. Zum Glück waren die Wettervoraussichten gut. Jetzt stand einer spaßigen und interessanten Woche nichts mehr im Wege.

Die Schule in Vitoria

Der Montag begann -wie fast jeder anderer Tag- ziemlich früh, da wir um 8:00 an der Schule sein mussten. Viele fuhren mit der Straßenbahn zur Schule oder gingen zu Fuß. Wir bekamen eine Schulführung, welche viele Unterschiede zu einer deutschen Schule zeigte: Der Schulhof ist viel größer, es gibt zwei Kunstrasenfußballfelder und ein Basketballfeld. Es befinden sich fast alle Schüler in einem Gebäude. Außerdem hat die Schule eine eigene Kirche. Uns fiel vor allem auf, wie herzhaft wir von den Mitschülern, die nicht am Austausch teilnahmen empfangen wurden. Lief man an Klassenfenstern vorbei, so lief die gesamte Klasse an das Fenster um uns anzugucken. In der Pause, die um 8:55 Uhr beginnt, spielten wir manchmal Fußball gegen andere Spanier.

Wird einen eigentlich langweilig?

Nach der Schulführung liefen wir in die Innenstadt, um eine Stadtführung mit historischen Hintergrundinformationen zu erhalten. Danach gab es etwas Freizeit in der Innenstadt. Am Abend trafen wir uns erneut gemeinsam. Diesmal in der Nähe vom Bahnhof, ein Platz an welchem sie sich oft trafen.
Am nächsten Tag fuhren wir gemeinsam mit den Spaniern nach Bilbao, um dort das Guggenheim Museum zu besuchen, welches für moderne Kunst steht. Das Museum ist beeindrucken groß und besitzt teils abgefahrene Ausstellungen. Der Bilbao-Besuch wurde mit Shoppen in der Innenstadt abgeschlossen. Dadurch, dass der nächste Tag anstrengend aussah, gingen viele früher ins Bett um Kraft zu tanken.
Es ging am Mittwoch nach Gernika, um die Geschichte kennenzulernen, die auch von Deutschland geprägt ist, da die Deutschen 1937 ihre Luftwaffe über Gernika testeten. Nach dem Besuch im Friedensmuseum fuhren wir mit dem Bus weiter nach Lekeitio, um eine Kayak-Tour zu unternehmen. Endlich: Das erste Mal eine Abkühlung bei dem heißen Wetter. Jedoch mussten wir uns entscheiden, ob wir im Neoprenanzug die Tour durchführen wollen oder ohne. Die Mehrheit entschied sich gegen einen Neopren, jedoch war der Wind ziemlich stark, so dass man auf dem Wasser große Angst hatte reinzufallen. Die Kayakfahrer kamen gegen die Strömung gut zurecht, mussten sich jedoch stark anstrengen. Das Fahren mit den Stand-up-Paddles war jedoch viel schwieriger, da man kaum gegen sie Strömung ankam. Für den Rückweg wurde dann noch getauscht, so dass alles ausprobiert werden konnte. Nach der Tour kündigte sich Muskelkater für den nächsten Tag an. Der Mittwoch endete auch noch sportlich mit einem Basketballspiel der spanischen Playoffs zwischen Baskonia und dem FC Barcelona. Baskonia gewann in diesem überragendem Spiel in der Verlängerung nach erfolgreichen Kampf kurz vor dem Ende. Für uns war es zwar sehr emotional, jedoch kamen wir dadurch noch später nach Hause und bekamen weniger Schlaf.
Am nächsten Tag ging es glücklicherweise ruhiger zu. Der Besuch im Rathaus und somit der Empfang des Bürgermeisters stand an- so wurde es jedenfalls angekündigt-. Der Bürgermeister fand schlussendlich keine Zeit für uns, so dass er vertreten wurde. Nach dem knappen Rundgang, welcher von der städtischen Presse begleitet wurde, gingen wir mit den Spaniern zusammen ins Schwimmbad um uns abzukühlen. Am Abend stand Pintxo Pote auf dem Plan: Dies bedeutet, dass es Tapas und ein kleines Getränk zum Preis von meist einem Euro in einer Bar gibt und man von Bar zu Bar pendelt, um zu essen und zu trinken.
Am Freitag gab es zum ersten mal Regen. Eigentlich wollten wir die Natur im Baskenland kennenlernen und in den Bergen wandern, jedoch wurde daraus nichts, da der Regen das Wandern zu einer eher gefährlichen als spaßigen Angelegenheit gemacht hätte. Deshalb fuhren wir früher zurück nach Vitoria, um Fußball zu spielen. Der Nachmittag stand wie das Wochenende zur freien Verfügung. Abends trafen wir uns alle, jedoch tankten wir über den Tag viel Schlaf und Kraft. Am Wochenende standen typisch baskische Aktionen auf dem Plan wie z.B Restaurantbesuche mit baskischem Essen, Strandbesuche, Stierkämpfe, Besuche in anderen Städten und Shoppingtouren. Natürlich haben wir das EM-Auftaktspiel der Deutschen zusammen in einer Bar gesehen.
Am Montag ging es dann nach St. Sebastian. Wenn das Wetter mitgespielt hätte, wäre der Tag ideal für einen Strandtag gewesen, jedoch war es eher kühl. Trotzdem trauten sich einige in das Wasser. In der Stadt genossen wir einen traumhaften Ausblick und konnten unseren Eltern in den vielen Souvenirshops Kleinigkeiten besorgen. Wie die anderen verging dieser Tag viel zu schnell und man begann so langsam zu realisieren, dass der Austausch bald vorbei war.
Am letzten Tag fuhren wir zu unserem letzten Ausflug zum Weinbaugebiet, um dort Informationen über das riesige Gebiet zu erlangen und zum Schluss von dem Wein zu kosten. Natürlich nicht mehr als zwei Gläser… Nach der Weinprobe haben wir noch gemeinsam in einem Restaurant gegessen. Selbstverständlich war der Tag dann für uns Schüler noch nicht vorbei. Nach dem wir unsere Koffer gepackt hatten trafen wir Schüler uns gemeinsam, um den letzten Abend gemeinsam zu verbringen. Wer weiß wie oft man solche Momente noch erleben kann?

Tränen zum Abschied

Am Abreisetag mussten wir uns um 9:00 Uhr an der Schule sein um die Koffer in die Kirche zu stellen. Danach hatten wir noch bis 11:40 Freizeit, da der Bus um diese Zeit kam, jedoch wurden wir von den Spaniern in einen Raum geschickt, da sie noch eine Überraschung zum Abschied für uns hatten. Bei der Überraschung handelte es sich um einen emotionalen Film, welcher an die Zeit in Hamburg und im Baskenland mit Bildern erinnert. Nach dem Film liefen schon die ersten Tränen. Als wir draußen gemeinsam auf den Bus warteten fingen immer mehr an zu weinen. Die noch nicht weinten, sparten sich die Tränen für den Flughafen auf oder waren in der Lage, ihre Emotionen zu kontrollieren. Dadurch, dass wir mit Verspätung nach Frankfurt losgeflogen sind, war der Anschlussflug nach Hamburg in Gefahr. Glücklicherweise war an diesem Tag die Pünktlichkeit der Flieger auf dem Niveau der „Deutschen Bahn“, so dass wir den Flug nicht verpassten und mit noch mehr Verspätung in Hamburg ankamen, wo uns die nächste Überraschung begrüßte: Die Koffer waren nicht da. So durften wir alle nochmal zur Gepäckvermittlung unsere Daten eingeben, was bei 30 Leuten etwas länger dauert. Wir brachten zwar unsere Koffer nicht mit aus Spanien, dafür neue Erfahrungen, gute Laune, einen Sonnenbrand und leider mindestens eine Erkältung. Trotzdem hat sich der Austausch gelohnt. Das einzig negative war, dass er viel zu schnell vorbei war.